AK Cyber Valley

Im Sommersemester 2019 wird es eine von Fachschaften organisierte Vortragsreihe über das von Uni, Stadt, Land und Max-Planck-Insituten geplante »Cyber Valley« geben. Jeden Dienstag um 20 Uhr im altbekannten Hörsaal 21 des Kupferbaus sind Vorträge über Maschinelles Lernen, Amazon, und die Demokratisierung der Uni geplant. Darüber hinaus gibt es einige zusätzliche Veranstaltungen.

23.04. Was ist das Cyber-Valley? Übersicht über Pros/Cons sowie Vorstellung der Reihe

Der Arbeitskreis & Gäste

30.04. Forschung ohne dual-use Problematik?

Vortrag mit Ralf Streibl.
In der aktuellen Diskussion über Forschung an künstlicher Intelligenz geht es immer wieder um Transparenz, Verantwortung und die Distanzierung von militärischen Bestrebungen. Wissenschaft – insbesondere in so unberechenbaren Forschungsfeldern wie der Informatik – führt immer wieder zu brisanten Entwicklungen, die auch militärisch oder unmoralisch genutzt werden können.

In seinem Vortrag erklärt Ralf Streibl, Dozent an der Universität Bremen und Mitglied des “Forum Informatiker*Innen für Frieden” (FIfF), warum Transparenz in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielt, wie Wissenschaftler*innen stets der ambivalenten Verwendung ihrer Entdeckungen ausgesetzt sind und warum es so wichtig ist, dass Wissenschaft politisch ist.

Freitag, 03.05. ab 18 Uhr in Hörsaal 21: Transhumanismus im Film: Wie Hollywood uns in Cyborgs verwandelt

Vortrag mit Wolfgang M. Schmitt.
Das Science-Fiction-Kino ist ein Versuchslabor, es bereitet uns auf die Zukunft vor. Angenehm wird diese nicht, das deutet sich schon in Filmen wie „Cyborg“ mit Jean-Claude Van Damme von 1989 an. Inzwischen ist die Silicon-Valley-Ideologie, die nicht nur eine Optimierung, sondern eine Überwindung des Menschen anstrebt, immer dominanter. Ideologiekritische Film wie „Ex Machina“ setzen sich mit dieser Weltanschauung auseinander, die den Menschen in einen Cyborg verwandeln will – gepaart ist dieses Ansinnen nicht selten mit pseudo-emanzipatorischen Bestrebungen, die man bereits in den 1980er-Jahren (etwa im „Cyborg-Manifest“ von Donna Haraway) formulierte. Aber Hollywood steht dem Transhumanismus keinesfalls per se kritisch gegenüber, zuletzt haben Filme wie „Lucy“, „Transcendence“ oder „Alita: Battle Angel“ die transhumanistischen Lehren von Ray Kurzweil und Nick Bostrom affirmativ in Szene gesetzt. Erfindungen aus Science-Fiction-Klassikern wie das Video-Telefon sind längst Realität geworden. Was, wenn das Kino erneut prophetische Qualitäten hat?

Wolfgang M. Schmitt, bekannt durch seinen ideologiekritischen Videoblog „Die Filmanalyse“ (youtube.com/filmanalyse), analysiert in seinem Vortrag das Verhältnis von Transhumanismus und Science-Fiction-Film.

07.05. Warum Technik nicht neutral ist

Vortrag mit Dr. Cornelia Sollfrank.
Die Einführung neuer Technologien geht oft einher mit dem Versprechen für eine bessere Zukunft, doch in welchem Interesse werden diese wirklich entwickelt und für wessen Profit? In ihrem Vortrag unternimmt die Künstlerin einen Streifzug durch technologie-kritische Disziplinen wie den Science and Technology Studies (STS) und verschiedenen Technofeminismen und möchte dazu anregen, einen Blick hinter die glatten Fassaden der milliardenschweren Konzerne zu werfen. 

Cornelia Sollfrank (PhD) ist Künstlerin, Forscherin und Lehrende und lebt in Berlin. Zurzeit ist sie als Forscherin im Projekt Creating Commons an der Zürcher Hochschule der Künste tätig. Ihr Buch “Die schönen Kriegerinnen. Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert” ist im August 2018 bei transversal texts (Wien) erschienen. Homepage: artwarez.org

14.05. Technik & Herrschaftsfreiheit

Vortrag mit Jörg Bergstedt.

21.05. Das Verhältnis des Kapitalismus digitaler Plattformen zur Singularitätsideologie

Vortrag mit Thomas Wagner.
Im Umfeld von Konzernen wie Google, Facebook und Co. gedeiht eine Ideologie technologischer Machbarkeit. Ihre Anhänger propagieren die Verschmelzung von Mensch und Maschine, spekulieren über künstliche Superintelligenz und träumen von der Unsterblichkeit in der Cloud. En passant ließen sich sämtliche gesellschaftliche Probleme lösen. Fantastische Visionen, irre Ideen. Doch mehr als Hirngespinste: Ihre Propagandisten finanzieren Start-ups, beraten Regierungen, leiten die Labore von High-Tech-Unternehmen und verbreiten ihre Ideen an eigenen Hochschulen. Im Resultat wird die Herrschaft der gegenwärtigen Eliten weiter zementiert. Thomas Wagner porträtiert die wichtigsten Verfechter der Robokratie und legt ihre Verflechtungen offen. Politik, also die Austragung gegensätzlicher Interessen, erscheint im Zeichen elektronischer Vernetzung und künftiger Maschinenherrschaft als überflüssig. Am Ende steht die Frage nach einem demokratischen Gebrauch von Technologie: Damit der Mensch nicht zum Auslaufmodell wird. 

28.05. Chinas Social Credit Systeme, Nudging &
Scoring – Überwachung und Kontrolle im Zeitalter der Digitalisierung

Vortrag mit Katika Kühnreich.
Durch unsere Nutzung des Internets, mobiler Endgeräte wie sogenannter Smartphones und bargeldlosem Bezahlen hinterlassen wir ständig Datenspuren. Die zunehmende Kameraüberwachung des öffentlichen Raums liefert vom analogen Leben Daten in Form von Bildern. Selbst Privaträume
werden mit dem Argument der Bequemlichkeit mit Mikrophonen und Kameras gespickt. All diese Daten können neben staatlichen auch von privaten Akteuren gesammelt und ausgewertet werden. Daraus können sogenannte
»Scores« oder Punktestände als Bewertungsmaßstäbe für Einzelne gebildet werden, ohne dass die Betroffenen davon wissen.

In China erfolgt die Punktvergabe nun öffentlich durch die Einrichtung von Digitalen Gesellschaftlichen Bewertungssystemen (Englisch: »Social Credit Scores«). Was sind die Hintergründe des Einrichtens solcher
Systeme und welche Daten können schon heute hier über uns gesammelt werden? Welche Konsequenzen ergeben sich heute für die Privatsphäre, welche als existentiell für die Menschenrechte angesehen wird?

In ihrem Vortrag führt Katika Kühnreich am Beispiel Chinas durch heute schon existente Möglichkeiten der Datensammlung und -auswertung, um dann auf die Situation in unserem eigenen Leben einzugehen. So soll auch die Frage erörtert werden, was vom Konzept der Privatsphäre im Zeitalter der Digitalisierung übrigbleiben kann und welche Möglichkeiten es noch zum Schutz unserer Daten gibt.

Katika Kühnreich ist Politikwissenschaftlerin und Sinologin. Ihre
Forschungsschwerpunkte sind die gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung und der Umgang mit gesellschaftlichem Dissens. Sie arbeitet seit längerem zu den chinesischen „Social Credit Programmen“.

04.06. Amazon & Datenschutz

Vortrag mit Katharina Nocun.

18.06 Amazon & Plattformkapitalismus

Vortrag mit Sarrah Kassem.

25.06. Freie Software & Open Source

Vortrag mit Matthias Kirschner.

Weitere Termine folgen in Kürze