Solidarische Grüße

Im Juni hatte ich in der Rätetä-Zeitschrift der Fachschaftenvollversammlung noch kritisiert, dass während in Berlin und Frankreich Häuser und Unis besetzt werden, man im Tübinger Studierendenrat nichts Besseres zu tun hat, als darüber zu diskutieren, ob man Boris Palmer als Redner zu einem Vortrag einladen soll.

Nun, ein paar Monate später, ist der Kupferbau von Aktivist*innen besetzt worden.

Scheinbar nicht vom Studierendenrat und nicht von der FSVV – beide Gruppen bzw. Organe haben sich bisher noch nicht zu der Besetzung geäußert, lediglich ein paar Mitglieder haben sich von der Besetzung distanziert – sondern von Einzelpersonen, die sich hier für eine bessere Uni einsetzen wollen.

Ein bunter Haufen von Leuten, die gemeinsam mal eben ein ganzes Veranstaltungsprogramm aus dem Boden stampfen, es geschafft haben, dass die European Students‘ Union sich mit ihnen solidarisiert und sich nun seit einer Woche im Kupferbau für mehr studentische Mitbestimmung an der Uni einsetzen. Ihr seid mir alle sehr ans Herz gewachsen!

Manche meinen, eine Besetzung sei undemokratisch. Manche meinen, man könne doch auch ohne eine Besetzung einfach mal über das Cyber Valley reden. Lasst euch davon nicht unterbringen! Es ist wichtig, dass wir über Projekte wie das Cyber Valley reden. Das ist in der Vergangenheit viel zu wenig passiert. Wer nun meint, die Besetzung sei undemokratisch, sollte sich lieber überlegen, ob denn nicht eigentlich das Cyber Valley in seiner derartigen Planung undemokratisch ist. Wer nun meint, man könne doch einfach mal über das Cyber Valley reden statt den Kupferbau zu besetzen, sollte sich lieber überlegen, warum er*sie noch nicht mit mehr Menschen darüber geredet hat. Wo waren denn die groß beworbenen Diskussionsveranstaltungen, ob es das Cyber Valley geben soll? Wo waren die Diskussionsveranstaltungen, ob man die SCHUFA und Amazon nach Tübingen einladen möchte?

Macht weiter! Bleibt offen! Behaltet eure gute Stimmung bei!

Aber verliert euer Ziel nicht aus den Augen! Das Cyber Valley soll kritisch begleitet werden, an künstlicher Intelligenz darf man nicht ohne eine starke Zivilklausel und eine starke Ethik-Kommission forschen. Wir brauchen eine demokratischere Universität, Studis als größte Gruppe dort dürfen nicht überhört werden! Dazu gehört aber auch, dass durch die Besetzung eben das Cyber Valley betroffen sein soll, nicht die Studierenden.
Dass das Rektorat bei seinem Besuch am Montag kein einziges Wort darüber verloren hat, was denn mit der Lehre passieren soll, die eigentlich im besetzen Hörsaal 21 stattfindet, ist schon schlimm genug. Macht ihr es besser!

Und danke, dass ihr die Veranstaltung des Arbeitskreis Neue Rechte gestern in HS21 zugelassen habt! Boris Palmer als Gast statt als Redner in einem besetzen Hörsaalgebäude zu sehen, gibt dem Rätetä-Artikel eine schöne neue Pointe.

Solidarische Grüße!
Jacob

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